Kabel-TV kommt bei dir an einer Dose an, und dort steht der Fernseher. Willst du im Schlafzimmer, im Arbeitszimmer oder auf dem Tablet schauen, bleibt dir ein langes Antennenkabel quer durch die Wohnung oder ein zweiter Kabelanschluss. Beides kostet Nerven oder Geld.
Mit einer Fritzbox Cable geht es ohne Kabel. Die Box hat einen DVB-C-Tuner eingebaut und verteilt die Sender übers Netzwerk. Nur herausholen lässt sich die Senderliste nicht so einfach, denn AVM exportiert eine M3U-Datei mit rtsp://-Links. Der VLC-Player spielt die ab, TiviMate, Kodi und die meisten Android-TV-Player können damit nichts anfangen.
Diese Lücke schließt FritzMux: ein kleiner Container, der die RTSP-Streams der Fritzbox in normales HTTP umwandelt, EPG als XMLTV dazustellt und Kanallogos mitliefert. Ein Raspberry Pi oder ein LXC auf Proxmox reicht dafür.

Was FritzMux macht
FritzMux läuft als Docker-Container und bringt eine Weboberfläche auf Port 8181 mit. Die Senderliste holst du auf drei Wegen hinein: per Scan der Fritzbox, per URL oder per Datei-Upload. In der Kopfzeile siehst du jederzeit, wie viele Streams gerade laufen und wie viele Kanäle in der Liste stehen.

Im Betrieb passiert Folgendes:
- ffmpeg relayt den RTSP-Stream der Fritzbox nach HTTP als MPEG-TS. Es wird nur umgepackt (stream copy), nicht neu codiert. Das Bild bleibt 1:1, und die CPU langweilt sich dabei.
- Bis zu vier Streams laufen parallel, mehr gibt die Hardware der Fritzbox nicht her. Hört der letzte Client auf, endet der Stream nach 15 Sekunden von selbst.
- EPG kommt als XMLTV-Datei unter
/api/epg.xml. Quellen lassen sich als .xml oder .xml.gz eintragen, standardmäßig frischt FritzMux sie stündlich auf. - Senderlogos zieht FritzMux vom AVM-Logoserver und legt sie lokal ab. Eigene Logos kannst du hochladen.
Hardware und Installation
Der Container braucht kaum Ressourcen, weil nicht transcodiert wird. Ein Raspberry Pi ab Modell 3, ein kleiner LXC oder ein Docker-Stack auf Proxmox genügt. Wichtig ist nur, dass der Container im Host-Netzwerk läuft, sonst erreicht er die Fritzbox nicht per RTSP.
Das Projekt liegt auf GitHub: ElectronicResearch/fritzmux
Nach dem Start rufst du im Browser http:// auf. Kanäle, EPG-Cache und Logos landen in einem Datenordner neben dem Repo, damit ein git pull nichts überschreibt.
Senderliste aus der Fritzbox holen
Der Sendersuchlauf muss einmal laufen, sonst kennt die Box ihre Kanäle nicht:
- Fritzbox-Oberfläche über
http://fritz.boxöffnen und links auf DVB-C gehen. - Sendersuchlauf starten. Je nach Kabelnetz dauert das fünf bis zwanzig Minuten.
- Unter Senderliste die Liste für den VLC-Player erzeugen. Das machst du getrennt für SD- und HD-Sender, Radio geht auch.
- Die M3U-Datei herunterladen oder FritzMux die Fritzbox selbst scannen lassen. Der Scanner sucht typische Pfade wie
/dvb/m3u/tvhd.m3uund/dvb/m3u/tvsd.m3u.

Ein Hinweis zum Kabelnetz: Die Tuner der Fritzbox empfangen nur unverschlüsselte Sender. Das sind die öffentlich-rechtlichen Programme und die frei empfangbaren Privaten, in SD und in HD, soweit sie unverschlüsselt im Netz liegen.
Kanäle, EPG und Logos
Beim Import erkennt FritzMux doppelte Kanäle und wirft sie raus. Mehrere Playlists lassen sich zusammenführen. Wer eine alte Liste ersetzen will, setzt die Checkbox „Vorhandene Kanäle ersetzen“, sonst wird angehängt.
Danach steht die fertige Playlist unter http://, das Programm unter http://. Beide URLs bleiben stabil, weil FritzMux die RTSP-Adressen intern austauscht.
Im IPTV-Player eintragen
In TiviMate legst du eine neue Playlist vom Typ M3U an und trägst die Kanalliste-URL ein. Als EPG-Quelle nimmst du die XMLTV-URL daneben. Der Player holt dann Sender, Programminfo und Logos aus einer Hand.

Kodi oder Pulse Player funktionieren genauso, weil die Playlist ein ganz normaler M3U-Export ist. Zeigt der Player kein Bild, sind in neun von zehn Fällen die URLs vertauscht worden oder der Container läuft ohne Host-Netzwerk.
Diese Fritzbox-Modelle haben einen DVB-C-Tuner
Die Cable-Modelle von AVM bringen einen Quad-Tuner mit, also vier DVB-C-Empfänger. Vier verschiedene Sender gleichzeitig an vier Geräte sind damit möglich.
| Modell | DVB-C-Tuner | Gleichzeitige Sender |
| FRITZ!Box 6490 Cable | Quad-Tuner | 4 |
| FRITZ!Box 6590 Cable | Quad-Tuner | 4 |
| FRITZ!Box 6591 Cable | Quad-Tuner | 4 |
| FRITZ!Box 6660 Cable | Quad-Tuner | 4 |
| FRITZ!Box 6670 Cable | Quad-Tuner | 4 |
| FRITZ!Box 6690 Cable | Quad-Tuner | 4 |
Die Angaben stehen so in der AVM-Wissensdatenbank, Dokument 1528 „Fernsehempfang über DVB-C mit FRITZ!Box einrichten“. Für jedes der sechs Modelle gibt es den Artikel.
Dazu kommt der FRITZ!Repeater DVB-C, der aus der Ferne der WLAN-Repeater DVB-C heißt. Der hat einen Dual-Tuner und schickt zwei Sender gleichzeitig ins Netz. Ein Router ist er nicht, aber wenn deine vorhandene Fritzbox keinen Tuner hat, kannst du damit nachrüsten.
Zwei Dinge, die du wissen solltest:
- Die DSL-Modelle wie 7590, 7530 oder 5590 haben keinen DVB-C-Tuner. Nur die Cable-Baureihe empfängt Kabel-TV.
- Ältere Cable-Boxen wie die 6360 aus dem Jahr 2010 hatten ebenfalls einen Tuner, bekommen aber längst keine Firmware mehr. Für einen Neuaufbau würde ich dort nicht anfangen.
Sendersuche, DVB-C-Menü und M3U-Export setzen ein halbwegs aktuelles Fritz!OS voraus. Bei gemieteten Boxen kommt das Update vom Anbieter, bei eigenen Boxen lädst du es in der Oberfläche selbst.
Was nicht geht
Pay-TV und die verschlüsselten Privaten in HD laufen nicht über diesen Weg. Die Fritzbox hat kein CI+-Modul und entschlüsselt nichts.
Vier Sender, dann ist Schluss. Wer mehr Wohnungen versorgen will, braucht eine zweite Box oder einen echten Kabelreceiver.
Aufnahmen und Timeshift macht FritzMux nicht. Das ist Aufgabe des Players: TiviMate kann Aufnahmen auf ein NAS oder einen USB-Speicher schreiben.
Und eine Alternative solltest du kennen: Fernseher mit SAT>IP greifen laut AVM direkt auf die Tuner der Fritzbox zu. Senderlisten, EPG, Logos und die Kompatibilität mit Android-TV-Playern fehlen dabei aber, und genau da liegt der Vorteil von FritzMux.
Fazit
Wenn bei dir Kabel-TV ankommt und eine Cable-Fritzbox steht, ist FritzMux der einfachste Weg, das Signal in die restliche Wohnung zu bringen. Ein Pi oder ein LXC, kein Transcoding, kein zweiter Receiver am Koaxialanschluss, keine Bastelei an der Fritzbox selbst. Die Einrichtung beschränkt sich auf Docker starten, Kanäle importieren, zwei URLs in den Player eintragen.
Ein Koaxialkabel quer durch die Wohnung ist danach Geschichte.