Raspberry Pi 20/09/2026 17:55 Uhr

Raspberry Pi: Die Geschichte eines 35-Dollar-Computers, der die Welt eroberte

Der 29. Februar 2012, ein Schalttag, Messehalle in Nürnberg. Auf der Embedded World, der größten Messe für eingebettete Technik in Europa, liegt eine grüne Platine auf dem Tisch, kaum größer als eine Kreditkarte. Die Männer, die sie gebaut haben, rechnen mit vielleicht 10.000 verkauften Stück. In den ersten 24 Stunden werden 100.000 bestellt, die Server brechen zusammen. Gut ein Jahrzehnt später sind es mehr als 75 Millionen Platinen. Ganz unten am Anfang steht aber eine ganz andere Zahl: eine Sorge.

Nicht als Produkt geboren, sondern als Sorge

Im Herbst 2008 sitzen ein paar Dozenten im Computerlabor der Universität Cambridge und stellen eine unangenehme Frage. Warum kommen immer weniger junge Menschen zum Informatikstudium, und warum können die, die kommen, kaum noch programmieren?

Unter ihnen ist Eben Upton, Studienleiter. Anfang der 90er kamen Bewerber mit eigenen kleinen Programmen im Gepäck. Zwei Jahrzehnte später viele, die nie eine Zeile Code geschrieben hatten. Upton sucht den Grund in den Kinderzimmern. In den 80er Jahren gab es dort einen Rechner, auf dem man sofort loslegen konnte: ein BBC Micro, ein Commodore, ein Schneider oder Grundig. Einschalten, und es springt direkt in eine Programmiersprache. 20 Jahre später sind die Kinderzimmer voller Spielkonsolen und Geräte, die man nicht mehr öffnen und nicht mehr verändern darf. Der Computer ist vom Werkzeug zum verschlossenen Konsumgerät geworden. Man benutzt ihn, aber versteht ihn nicht mehr.

Uptons Schluss ist radikal: Wenn junge Menschen nicht mehr programmieren lernen, liegt es nicht an Faulheit, sondern daran, dass ihnen die billige, kaputtbare, veränderbare Maschine fehlt, die eine ganze Generation geprägt hat. Also muss jemand sie neu erfinden. Klein, robust, so günstig, dass ein Vater es seinem Kind kaufen kann, ohne lange nachzudenken. Der Preis ist kein Detail, er ist der Kern. Ein Computer für 30 Euro, nicht für 300. Nur so kommt die Technik wieder in die Hände von Kindern, deren Eltern kein Vermögen haben.

Der Name ist ein Bekenntnis

Im Mai 2009 wird die Raspberry Pi Foundation offiziell als Wohltätigkeitsorganisation in England eingetragen. Sechs Gründer, ein gemeinnütziges Ziel: britischen Schulen einen Programmierrechner in die Hand geben und dann wieder verschwinden. Keiner denkt in diesem Moment an Aktien, Fabrik oder Weltmarkt. Neben Upton steht David Braben, legendärer Spieleentwickler des Weltraum-Spiels Elite, dazu Jack Lang, Pete Lomas, Rob Mullins und Alan Mycroft.

Der Name selbst ist ein Scherz und ein Bekenntnis. Viele frühe Heimcomputerfirmen trugen Obstnamen, allen voran ein bekannter Hersteller aus Kalifornien. Und Pi steht nicht nur für die berühmte Zahl, sondern auch für Python, die Sprache, in der die Kinder lernen sollen. Raspberry Pi, eine Himbeertorte mit einem Augenzwinkern Richtung der größten der Branche.

Warum es so lange dauerte

Um zu verstehen, was in den Jahren danach passierte, muss man sich die deutschen Kinderzimmer der 80er ansehen. Commodore aus Braunschweig, Schneider, Amiga, sie alle teilten eine Eigenschaft: einschalten, und binnen Sekunden erscheint eine Zeile, in die du selbst Befehle tippst. Ein Kind, das ein Spiel wollte, tippte es oft aus einer Zeitschrift ab, Zeile für Zeile, und lernte dabei fast beiläufig programmieren. Diese Brücke zwischen Neugier und echtem Können war in den 2000ern verschwunden.

Zwischen der guten Idee und der grünen Platine lagen aber fast sechs Jahre voller Sackgassen. Upton bastelte schon 2006 an ersten Versuchen mit billigen Mikrocontrollern. Sie waren zu schwach. Ein Computer, der ein Kind begeistern soll, braucht eine grafische Oberfläche, kann Videos abspielen, muss sich wie ein echter Rechner anfühlen. Und genau das war für 30 Euro lange schlicht unmöglich. Die Bauteile kosteten zu viel. Die Vision war klar, die Physik und der Markt sagten nein.

Der Wendepunkt kam von außen

Der Mann mit dem Plan arbeitete übrigens für Broadcom, einen der größten Halbleiterkonzerne der Welt. Damit saß er an genau der Stelle, an der billige, sparsame Chips entstehen. In den populären Erzählungen wird der Raspberry Pi immer auf einen Namen verkürzt. In Wahrheit war es der Zugriff auf industrielle Technik, den fast niemand sonst hatte. Ein Außenstehender hätte nie einen Systemchip für 30 Euro bekommen. Upton kannte die Leute, die ihn bauten.

Der eigentliche Wendepunkt kam im Mai 2011, von außen. Der BBC-Technikjournalist Rory Cellan-Jones drehte ein kurzes Video über einen frühen Prototyp, der damals noch wie ein dicker USB-Stick aussah. Das Video ging viral: in zwei Tagen rund 600.000 Aufrufe. Über Nacht wusste die halbe Technikwelt von einem Projekt, an dem Upton fünf Jahre still gearbeitet hatte. Seine Frau Liz brachte ihn zurück auf den Boden: Jetzt musst du das Ding auch wirklich bauen, denn die BBC hat der Welt versprochen, der Rechner komme binnen eines Jahres.

Die Gründer hatten sich selbst eine Frist gesetzt, die kaum zu halten war. Im Sommer und Herbst 2011 rechneten Upton und Ingenieur Pete Lomas das Produkt Cent für Cent herunter. Jedes Bauteil wurde hinterfragt, jede Funktion geprüft. Dieses harte Kosten-Paket war die eigentliche Erfindung, kein genialer Geistesblitz, sondern monatelange sture Arbeit an jeder Position der Stückliste.

Was den Preis überhaupt möglich machte

Der einzige Ausweg war ein System auf einem Chip (SoC): Prozessor, Grafik und weitere Funktionen auf einem einzigen Stück Silizium. Das spart Platz, Strom und vor allem Geld. Genau diese Technik trieb den Smartphone-Boom ab etwa 2008 voran. Weil davon plötzlich Hunderte Millionen Stück gefertigt wurden, fielen die Kosten pro Stück dramatisch.

Der Chip im ersten Serienmodell trug die Bezeichnung Broadcom BCM2835. Und hier liegt eine der schönsten Ironien: Er war gar nicht für Computer entworfen worden, sondern als Grafikeinheit für Fernseher und Settop-Boxen. Die eigentliche Rechenlogik, der ARM-Kern, wurde nachträglich in eine freie Ecke des Chips gesetzt, weil dort Platz war. Der Raspberry Pi wurde also von einem Grafikchip angetrieben, dem man beiläufig ein kleines Gehirn eingepflanzt hatte. Der Kern (ARM1176) lief mit 700 MHz, ließ sich per Firmware auf bis zu 1 GHz beschleunigen, daneben saß eine VideoCore-4-Grafikeinheit, die 1080p-Videos flüssig abspielte. Der Arbeitsspeicher lag bei 256 MB, der Stromverbrauch bei wenigen Watt, ohne Lüfter, ohne Kühlung.

Zusätzlich sparte eine bewusste Entscheidung: kein festes Speicherlaufwerk. Der Pi startete und speicherte alles auf einer SD-Karte aus der Fotowelt. Das sparte teure Bauteile und machte das Gerät unverwüstlich. Ging etwas schief, steckte man eine neue Karte rein und begann von vorn. Für ein Kind, das Fehler machen darf, die ideale Lösung.

Zielpreis: 25 Dollar für die kleinere, 35 Dollar für die größere Ausführung, damals etwa 20 bis 30 Euro. Alles, was das Gerät verteuert hätte, wurde gestrichen: kein Gehäuse, kein Netzteil, keine Tastatur, nur die nackte Platine.

Der Tag, der das Netz lahmgelegt hat

Embedded World 2012: Der Start, der alle Erwartungen in den Schatten stellte.
Embedded World 2012: Der Start, der alle Erwartungen in den Schatten stellte.

Die etablierten Hersteller sahen in dem nackten Rechner bestenfalls ein Spielzeug. 10.000 Stück, das klang nach einem netten Schulprojekt, nicht nach einem Wendepunkt. Auch die Finanzierung blieb ein Drahtseilakt: Eine Wohltätigkeitsorganisation kann nicht einfach Millionen in eine Produktion stecken. Die Gründer legten eigenes Geld ein, warben Spenden, hofften, dass die ersten Verkäufe die nächste Charge finanzieren. Sie stellten das Gerät für den 29. Februar 2012 bereit, richteten ihre Onlineshops ein und bereiteten sich auf einen ruhigen Start vor.

Stattdessen: Zwei große Onlinehändler in Großbritannien wickelten den Verkauf ab, weil die Foundation die Kapazität für 100.000 Bestellungen nie gehabt hätte. Früh am Morgen ging das Gerät in den Verkauf. Binnen Sekunden brachen die Websites unter der Last zusammen. Am Ende des ersten Tages: rund 100.000 Bestellungen. Die ursprüngliche Lebenserwartung des gesamten Projekts war an einem Vormittag um das Zehnfache übertroffen.

Upton hatte gedacht, er startet ein Schulprojekt. Er hatte eine weltweite Nachfrage entfesselt. Es gab kein Lager, keine Massenfertigung, keine Logistikkette. Die Monate danach wurden zur eigentlichen Bewährungsprobe: Kunden warteten wochenlang, zeitweise galt ein Gerät pro Person. Es war kein Triumphzug, sondern ein verzweifeltes Hinterherlaufen.

Europa, das keiner erwartet hatte

Die ersten Chargen entstanden in Fernost, wie bei Elektronik dieser Preisklasse üblich. Dann traf die Foundation eine in der Branche undenkbare Entscheidung: Sie verlagerte die Fertigung nach Europa, in eine Fabrik im walisischen Pencoed, die zum japanischen Sony-Konzern gehört. Für ein Massenprodukt dieser Preisklasse war es unerhört, die Herstellung zurück nach Westeuropa zu holen. Die Fließbandfertigung läuft dort bis heute und bringt den Großteil der Raspberry Pi Geräte hervor. Ein seltenes Beispiel europäischer Elektronikfertigung im großen Stil, während der Rest der Welt nach Asien abwanderte.

Die Nähe zur Fertigung hatte einen praktischen Vorteil: Die Entwicklung konnte schnell auf Fehler reagieren. Ein Ingenieur entdeckte morgens ein Problem an der Platine und sprach noch am selben Tag mit den Arbeitern an der Linie.

Die Familie wächst

Schon im Oktober 2012 verdoppelte die Foundation den Arbeitsspeicher des größeren Modells von 256 auf 512 MB, ohne den Preis zu erhöhen. Dieses Muster wurde zum Markenzeichen: mehr Leistung, gleicher Preis – über ein ganzes Jahrzehnt. Die zweite Generation, zwei Jahre später, brachte vier Prozessorkerne statt einem, umgestellt von ARM11 auf modernere Cortex-Kerne, rund die sechsfache Leistung für praktisch denselben Preis, 1 GB RAM und mehr.

Der Raspberry Pi fand längst andere Hände als gedacht. Bastler bauten Wetterstationen und Roboter, kleine Firmen steuerten damit Maschinen, sogar Rechenzentren und Forschungslabore tauchten auf. In Deutschland entstand eine lebhafte Bastlerszene: Fachzeitschriften druckten seitenweise Anleitungen, von der Wetterstation über den Mediaplayer bis zur Steuerung für die Modelleisenbahn. Fernseher, ein Netzteil aus der Schublade und eine billige Tastatur – mehr brauchte es nicht.

Mit den Jahren kam eine ganze Familie dazu: der winzige Pi Zero, kaum größer als ein Kaugummistreifen, für wenige Dollar; der Pi 400, bei dem der ganze Computer in einer Tastatur steckt, ein Gruß an die Heimcomputer der 80er; und das Compute Module, das das Herz des Pi in eine Form packt, die Ingenieure direkt in eigene Geräte einlöten können. Damit wanderte die kleine Platine endgültig aus dem Kinderzimmer in die Fabrikhalle.

Die Zahlen kletterten: aus 1 Million wurden 10 Millionen, in etwa viereinhalb Jahren. Upton hatte anfangs mit 10.000 Stück gerechnet. Faktor tausend zwischen Erwartung und Wirklichkeit.

Die Krise, die dem Erfolg folgte

Ab Anfang 2021 geriet die Elektronikwelt in eine beispiellose Schieflage. Die Pandemie trieb die Nachfrage nach digitalen Geräten hoch, während Fabriken stillstanden und Lieferketten rissen. Große Konzerne von Autoherstellern bis Handyproduzenten kämpften um dieselben knappen Chips. Für das kleine Unternehmen war das existenziell: Es konkurrierte mit Gegnern, die das Hundertfache an Einkaufsmacht besaßen.

2021 fertigte das Unternehmen nur rund 7 Millionen Geräte, fast so viel wie im Jahr davor, obwohl die Nachfrage explodierte. Besonders bitter: Ausgerechnet die alten Modelle mit 40-nm-Chips waren am härtesten betroffen, weil genau diese Fertigungslinien weltweit überlastet waren. Die billigsten Geräte, für Kinder und Schulen am wichtigsten, waren am schwersten zu bekommen.

Die Bastler-Gemeinschaft spürte es am schlimmsten. Wo früher jederzeit eine Platine für 35 Dollar bereitlag, herrschte Leere in den Shops. Zwischenhändler nutzten die Not schamlos aus, der Graumarkt verdoppelte und verdreifachte die Preise. Im Oktober erhöhte die Foundation zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Preis (10 Dollar beim 2-GB-Modell) und holte ein älteres 1-GB-Modell aus dem Ruhestand zurück, nur um weiter ein Gerät zum symbolträchtigen Preis von 35 Dollar anbieten zu können. Für ein Projekt, dessen ganze Identität auf einem stabilen Preis beruhte, ein tiefer Einschnitt.

Noch schwerer wog die Priorisierung: Um die industriellen Kunden nicht zu verlieren, deren Maschinen ohne Nachschub stillgestanden hätten, bekamen Firmen Vorrang. Wer ein Wochenendprojekt plante, ging oft leer aus. Betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, aber es traf den Nerv der Gemeinschaft, die das Gerät groß gemacht hatte. Viele fühlten sich von genau dem Projekt verraten, das sie mit aufgebaut hatten. Stell dir einen Lehrer vor, der für seine Klasse 20 Platinen bestellen wollte, um genau das zu tun, wofür das Gerät erfunden wurde: Kindern das Programmieren beizubringen. Er fand keine einzige zum normalen Preis.

Upton ging offensiv damit um, warnte öffentlich vor Wucherpreisen und riet, nur bei offiziell zugelassenen Händlern zu kaufen. Das Unternehmen kaufte zudem gezielt große Mengen Bauteile auf Vorrat, darunter 500 Siliziumwafer für einen eigenen Steuerungschip. Erst im Lauf des Jahres 2023 begannen sich die Regale wieder zu füllen.

An die Börse, ohne den Geist zu verlieren

Um Kapital für die nächste Phase zu sichern, taten die Gründer etwas, das ihre gemeinnützigen Wurzeln eigentlich verbot: Sie öffneten die Türen zur Börse. Am 11. Juni 2024 ging das Unternehmen an die Londoner Börse. Der Empfang übertraf alles: Der Ausgabepreis lag bei 360 Pence, der Kurs schoss am ersten Tag um rund 40 Prozent hoch. Die Bewertung lag bei etwa 541 Millionen Pfund (rund 689 Millionen Dollar), und durch den Börsengang flossen etwa 166 Millionen Pfund zu.

Die Foundation behielt einen bedeutenden Anteil und kündigte an, die Erlöse aus dem Aktienverkauf in einen dauerhaften Bildungsfonds zu stecken. Der wohltätige Kern sollte vom Börsengang der kommerziellen Tochter profitieren, nicht in ihm verschwinden. Initiativen wie der Code Club erreichten über die Jahre mehr als 2 Millionen junge Menschen in über 100 Ländern.

Im Hintergrund standen große Namen: Sony hatte im April 2023 strategisch investiert, der Chipentwickler ARM, dessen Prozessorarchitektur in jeder Platine steckt, war Ankeraktionär, später kam der japanische Investor Softbank dazu. Das Unternehmen arbeitete profitabel, praktisch ohne Schulden, und beschäftigte am Jahresende nur rund 140 feste Mitarbeiter, über die Hälfte davon in der Entwicklung. Ein börsennotiertes Unternehmen mit dreistelligem Millionenumsatz getragen von einer Belegschaft, die in einen großen Hörsaal passt.

Bis 2026 wurden mehr als 75 Millionen Platinen verkauft. Der Jahresumsatz erreichte 2025 rund 323 Millionen Dollar (+25 Prozent), der Gewinn nach Steuern verdoppelte sich nahezu auf rund 22 Millionen Dollar. Und ein bemerkenswerter Wendepunkt: Erstmals verkaufte das Unternehmen mehr seiner winzigen Steuerungschips als große Platinen. Heute steckt der Pi in Werbetafeln an Bahnhöfen, Kassensystemen von Läden, Wetterstationen, Fabriksteuerungen, Rechenclustern zum Lernen – und sogar in Raumfahrtprojekten. Das neueste große Modell bringt vier moderne Kerne, blitzschnellen Speicheranschluss, eine Echtzeituhr und rechnet grob zwei- bis dreimal so schnell wie sein Vorgänger.

Was dir eine kleine grüne Platine heute ermöglicht

Der eigentliche Mehrwert des Raspberry Pi liegt nicht in den Rechenleistungs-Zahlen, sondern in der Schwelle, die er senkt. Für den Preis einer Pizza bekommst du einen vollwertigen Linux-Computer, an dem du lernen, experimentieren und scheitern darfst, ohne Angst vor teuren Folgen. Konkrete Projekte, die real laufen:

Eine Wetterstation. Sensoren an GPIO-Pins, Daten in eine Datenbank, ein kleines Web-Dashboard – und du hast dein eigenes Wettermonitoring auf dem Dach, statt ein teures Gerät zu kaufen. Standardprojekt in deutschen Bastler-Zeitschriften.

Ein Werbeblocker fürs ganze Haus. Pi-hole heißt das Programm, es filtert auf DNS-Ebene Werbung und Tracker für jedes Gerät im Netz, ist auf einem Pi Zero für unter 20 Euro lauffähig und spart spürbar Ladezeit.

Ein Smart-Home-Hub. Genau das, worum es auf electronic-research geht: Ein Pi als Zentrale für Home Assistant steuert Lichter, Heizung, Sensoren, alles lokal und ohne Cloud. Eben der Anwendungsfall, der im Video als „Mediaplayer + Hausautomatisierung“ unter der Bastlerszene aufscheint.

Der Pi als Smart-Home-Zentrale, lokal ohne Cloud.
Der Pi als Smart-Home-Zentrale, lokal ohne Cloud.

Ein Retro-Spielkonsole-Bau. Eine SD-Karte mit Retrosystem, zwei USB-Controller, fertig ist deine Snack-Konsole für alte Games. Eines der beliebtesten Projekte überhaupt.

Kinderzimmer der 80er: Wo die Raspberry-Pi-Idee entstand.
Kinderzimmer der 80er: Wo die Raspberry-Pi-Idee entstand.

Ein eigener kleiner Server. Mit Docker läuft ein Pi stromsparend als Media-Station, Backup-Ziel, Pi-hole oder Git-Server. 24 Stunden am Tag, wenige Watt, kein Lüfter.

Ein Lernrechner für Kinder. Mit dem Pi 400 (Komplett-PC in der Tastatur) lernt ein Kind programmieren wie einst mit dem Commodore – ein direktes Stück Bildungsgeschichte, um das es der Foundation ging.

Industriell erst recht: Das Compute Module wird von Firmen in Kassen, Displays, Anzeigetafeln und Maschinensteuerungen eingelötet. Deshalb heißt es, dass der Pi heute unsichtbar in der modernen Welt steckt: Du benutzt ihn vermutlich mehrmals täglich, ohne es zu wissen.

Fazit

Die Geschichte des Raspberry Pi ist keine reine Erfolgsstory, sondern eine Geschichte vom Scheitern, Nachjustieren und von einer Idee, die ihre Schöpfer weit überholt hat. Aus sechs Idealisten, die Kindern das Programmieren beibringen wollten, wurde ein börsennotiertes Unternehmen mit 75 Millionen verkauften Geräten, Fertigung in Wales und einem Bildungsfonds, der die Mission finanziert. Das Bemerkenswerte: Die grüne Platine ist bis heute offen und veränderbar geblieben. Ein bezahlbarer, ehrlicher Computer, den du verstehen und selbst gestalten kannst. Genau das, was Eben Upton als Kind an seinem BBC Micro geliebt hatte – und was er einer ganzen Generation zurückgeben wollte.

Der Raspberry Pi hat die Zukunft nicht nur überstanden. Er hat ihr die Werkbank bestückt.

Video: Die Geschichte im Original

Was hier zusammengefasst ist, erzählen Eben Upton und das Team im Original-Film der BBC ausführlicher – von der ersten Idee im Kinderzimmer bis zur Fertigung in Wales.

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Geschrieben von
Mladen Koznjak

Electronic Research ist mein privates Hobby-Projekt. Ich baue, programmiere und teste, um Systeme zu verstehen, und dokumentiere, was ich lerne, damit andere es nachvollziehen können.

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