Wikileaks Bunker

By | 4. Dezember 2010

Wikileaks BunkerWie das Forbes Magazin und schwedische Medien berichten, hat die Organisation Wikileaks vor kurzem ihre Datenbank auf einen Server in Pionen verlegt. Zuvor war der Whistle-Blower Webseite vom US-Unternehmen Amazon die Lizenz für deren Server- Gebrauch entzogen worden. Wikileaks entschied sich nun die Internetseite aus dem schwedischen Felsbunker aus zu betreiben. Grund dafür, ist sicherlich die außergewöhnliche Sicherungsanlage von Pionen. Eine Höhle, geschlagen in massiven Fels, 30m unter der Erde in den White Mountains, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, gilt als eine der sichersten elektronischen Datenbank-Tresore der Welt. Der ehemalige militärische Bunker mit dem Codenamen Pionen, aus der Ära des Kalten Krieges sollte im Ernstfall sogar Nuklearangriffe überstehen. Heute dient Pionen Firmen, Privatpersonen und möglicherweise sogar Staaten als Lagerstätte wertvoller Daten – einer der jüngsten Kunden: Wikileaks. Schon Ende August wurden zwei Server in dem unterirdischen Bunker für Wikileaks gemietet – von einer juristischen Person aus Deutschland.

Das Cablegate-Archiv ist zusammen mit bedeutendem Material aus den USA und anderen Ländern an 100 000 Leute verschlüsselt übermittelt worden, erklärt Assange. Wenn uns irgendetwas passiert, werden die wichtigsten Teile automatisch veröffentlicht. Außerdem sind die Cablegate-Archive in der Hand verschiedener Medien.

Seit den Enthüllungen, so schrieben schwedische Zeitungen, habe es Hackerangriffe auf die Server gegeben – Massenanfragen, mit denen die Rechner überlastet werden sollten. Eine Zeit lang liefen die Server langsamer. Das kann ein Indiz sein. Kurz darauf soll Wikileaks die Daten auf Server des Medienversandhauses Amazon verschoben haben – doch das warf die Enthüller raus. Sind die heißen Daten jetzt wieder in die Unterwelt im hohen Norden verschoben worden?

Betrieben wird dieses Science-Fiction Datenbank-Zentrum von der gleichnamigen Firma Bahnhof, die als einer der größten Server-Provider Skandinaviens gilt. Sie unterhält fünf Daten-Zentren in Schweden, weitere in Norwegen und Dänemark. In einem Werbevideo des Unternehmens heißt es, James Bonde-Filme seien die Inspiration für den Ausbau der Stockholmer Daten-Höhle gewesen. Modernes Design und Technik seien, wie es in Schweden üblich sei, kombiniert worden.

Die Bereitschaft ab sofort die WikiLeaks-Webseite zu hosten, dürfte sich als Herausforderung für das Unternehmen Bahnhof erweisen. Die Internetseite ist seit Veröffentlichung der sogenannten Diplomaten-Depeschen am vergangenen Wochenende Ziel von Hacker-Angriffen und Versuchen von Staatsseiten ein Ende zu Wikileaks Internetpräsenz zu setzen.

Doch so langsam wird es rein eng für Assange, sowohl technisch als auch inhaltlich. Denn sein Ex-Sprecher und Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg will noch vor dem Jahreswechsel eine eigene Enthüllungsplattform in Deutschland gründen. Diese Internetplattform werde vor allem transparenter sein als Wikileaks, sagte der Berliner Informatiker dem Focus. Im Gegensatz zu Wikileaks sollten bei Domscheit-Berg die Absender von Dokumenten selbst bestimmen, wer diese veröffentlicht. Die Plattform wolle nur die technische Infrastruktur zur Verfügung stellen, über die geheime Dokumente sicher verschickt werden können.

Wikileaks braucht pro Jahr jedoch mindestens 200 000 bis 600 000 Dollar an Spenden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Eine wichtige Geldquelle ist die nach einem 2001 verstorbenen Aktivisten des Chaos-Computer-Clubs (CCC) benannte Wau-Holland-Stiftung in Deutschland. Auch diese konnte am Samstag keine Paypal-Zahlungen empfangen. Die Tochter der Handelsplattform Ebay teilte auf ihrer Blogseite mit, wegen einer Verletzung der Nutzungsbedingungen sei das von Wikileaks genutzte Konto dauerhaft gesperrt worden. Paypal schließt die Benutzung seiner Dienste aus, wenn dadurch illegale Aktivitäten gefördert werden.

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