RBN – Die globale Computer Pest

By | 21. November 2010

RNBDer Kaukasus-Konflikt war das erste Beispiel für einen Krieg, der auf digitalen und realen Schlachtfeldern geführt wurde. Zwar gab es schon 2007 eine ähnliche At­tacke von Russland auf Estland, allerdings blieb dieser Angriff auf den Cyberspace beschränkt. Experten sind sich sicher, dass damit eine neue Ära der Kriege begonnen hat. Auch Deutschland könnte Opfer werden. Zwar dürfte es kaum gelingen, sämtliche deutschen Webseiten lahm zu legen. Wenn aber während der aktuellen Finanzkrise die Webseiten deutscher Banken aus dem Netz verschwanden, wäre eine Börsenpanik die Folge. Kein Konflikt der Zukunft wird ohne Digital-Krieger auskom­men. Ein Cyber-Feldzug kostet etwa so viel wie das Aus­tauschen einer einzigen Panzerkette. Sie wären dumm, wenn Sie sich die Gelegenheit entgehen ließen, sagt Bill Woodcock von Packet Clearing House, einer Organisation, die den Internetverkehr verfolgt. Täglich werden Schlachten gegen Firmen geführt, die Schutzgeld zahlen müssen. Oder harmlose Surfer geraten ins Visier von Betrügern. Besonders das Internet-Banking sei gefährlich. Aber wer sind die Verbrecher, die digital Millionen absahnen? Hinter dem Angriff auf Georgien steckt wahrscheinlich das Russian Business Network (RBN). Klingt seriös, doch das RBN ist die größte Verbrecher-Netzwerk des Internets. Der Ring von Computer-Verbrechern macht alles, was Geld bringt: Spams versenden, Bankkunden abzocken , Kinderpor­nografie anbieten. Niemand weiß, ist das Verbrecher­netz mit der russischen Regierung verbandelt. Eventuell wurde es bezahlt. Geführt wird RBN von einem mysteriösen Hacker mit dem Codenamen Flyman. In der Szene kursieren Gerüchte, er sei eng mit einem mächtigen rusischen Politiker verwandt.

RBN ist derzeit wahrscheinlich das am besten entwickel­te Netzwerk von Computer-Verbrechern. Herzstück ihrer Macht sind sogenannte Botnets. Für diese Netze haben die Ver­brecher Tausende oder gar Zehntausende PCs unter ihre Kontrolle gebracht, die bei nichtsahnenden Internet-Benutzern zu Hause stehen. Kleine Programme erlauben es den Digital-Verbrechern, die Computer unbemerkt fernzusteu­ern. Die Programme haben sich die Besitzer (unbewusst) aus dem Netz heruntergeladen. Da genligt es schon, die falsche Web­seite zu öffnen. Mitte Dezember 2008 wurde ein Fehler in Microsofts Internet Explorer bekannt. Das Programm er­laubt manipulierten Webseiten, die Kontrolle über die Com­puter der Nutzer zu übernehmen. Niemand weiß, wie viele Webseiten danach manipuliert wurden. Oft ahnen die Be­sitzer nicht, dass ihre Rechner Teil eines Botnets sind. Manchmal spionieren die Programme Daten der User aus, etwa Kreditkartennummern. Meist werden die Rechner aber für die zwei einträglichsten Geschäfte benutzt: De­nial-of-Service-Attacken (DoS) und Spam.

Die Rechner des Bot­nets werden dann genutzt, um Hunderttausende Werbe-Emails zu verschicken. Hier treten die Mafia-Vereinigungen wie RBN geradezu als Dienstleister auf. Für etwa 60-70 Dollar kann man bei ihnen das Versenden von Hunderttausend Spam-E-Mails in Auftrag geben. RBN hat sich noch mit an­deren Dienstleistungen in der Szene einen Namen gemacht. Die Organisation bietet sogenannte kugelsichere Domains an. Hier können Iinternet-Nutzer Webseiten betreiben, und RBN garantiert ihnen absolute Anonymität. Außerdem ist es RBN völlig egal, welche Inhalte auf diesen Webseiten ab­gelegt werden. Kugelsichere Domains von RBN sind bei den Vertreibern von Kinderpornografie beliebt.

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